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Zu Besuch bei Kautex Textron

Schülerinnen und Schüler des Q2-Leistungs- und Grundkurses Chemie zu Besuch bei Kautex.Alles rund um den Führerschein gehört bei den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe Q2 zu den Top-Gesprächsthemen. Vielleicht träumt der eine oder andere auch vom ersten eigenen Auto. Doch die wenigsten machten sich bislang über dessen Kraftstofftank und dessen Chemie Gedanken. Das hat sich beim Leistungs- und Grundkurs Chemie der Q2 spätestens seit dem 16. März 2018 geändert. Denn an dem Freitagmorgen besuchte die Gruppe zusammen mit Frau Kunze und Herrn Wehrmann das Werk von Kautex Textron.

Sicherheit wird in dem Werk großgeschrieben. Über Verhaltensregeln und Sicherheitsvorkehrungen informierte vorab ein Film. Ohne Warnweste lief auf dem Werksgelände gar nichts.

Kautex zählt zu den 100 umsatzstärksten Automobilzulieferern weltweit. Vor allem für die Entwicklung eines Blasverfahrens zur Kraftstofftankherstellung ist das Unternehmen bekannt. Gleich zwei dieser Tanks waren im Foyer zu besichtigen. Dabei fiel eins sofort auf: Kraftstofftanks haben je nach Automodell ganz unterschiedliche Formen. "Der Tank gehört zu den letzten Komponenten, die bei einem Automodell entwickelt werden", erklärt Joern Kais-Pischke vor dem Rundgang. "Er muss in den verbleibenden Raum eines Automodells eingepasst werden." 

Aber nicht nur an die Form werden hohe Ansprüche gestellt, auch an das Material. So muss ein Kunststofftank gleichzeitig ganz unterschiedliche Eigenschaften erfüllen. Das Material darf z.B. keine Kraftstoffdämpfe nach außen lassen. Kohlenwasserstoffe, aus denen die meisten Treibstoffe bestehen, sind unpolar. Der Kunststoff, der die Dämpfe zurückhalten soll, muss also für diese Art Stoff unpassierbar sein. In diesem Fall muss er polar und damit lipophob sein.

Heute wird Kraftstoffen häufig Ethanol zugesetzt. Ethanol hat wieder andere chemische Eigenschaften und kann beispielsweise eine solche Kunststoffschicht passieren. Außerdem soll der Kunststofftank sehr stabil sein und Temperaturschwankungen aushalten. "Diese Anforderungen kann der Tank nur erfüllen, wenn er aus verschiedenen Kunststoffschichten aufgebaut ist", erklärt Joern Kais-Pischke. "Damit diese Schichten zusammenhalten, benötigt man noch einen Haftvermittler." Ganz schön komplex so ein Kraftstofftank!

Die Eigenschaften eines Kunststoffes kann man nicht nur über die Wahl der Monomere und der Art der Verknüpfung beeinflussen. Auch Beimischungen wirken sich auf die Eigenschaften aus. Beispielsweise wird dem Kunststoff Kohlenstoff in Form von Ruß beigemengt. Das dient zum Schwarzfärben des Kunststoffs. Somit wird der Tank UV-Lichtunempfindlich.

Steigt der Rußanteil, wird der Kunststoff leitfähig. Das ist im Bereich des Tankstutzens notwendig. Durch die Fahrbewegungen und der dadurch entstehenden Bewegung des Kraftstoffs im Tank kann dieser sich elektrisch aufladen. Durch die Leitfähigkeit im Bereich der Tanköffnung, kann die elektrische Ladung über die Karosserie abfließen und es kommt nicht zum Funkenschlag beim Betanken.

Schülerinnen und Schüler des Q2-Leistungs- und Grundkurses Chemie zu Besuch bei Kautex.Beim Rundgang im Technikum von Kautex geht die Gruppe an Namen wie "Porsche Panamera" und "Volvo" vorbei. Sie schauen einem Roboter beim Montieren von Ventilen zu. Aus einem Extruder kommt eine warme Kunststoffschicht raus, die in eine Form gepresst wird. Bei der Produktion macht es einen Unterschied, ob es sich um einen normalen Benziner handelt oder um einen Wagen mit Hybridantrieb. Für den normalen Benziner kann man den Tank im Blasverfahren herstellen, für einen Hybridmotor wird der Tank aus zwei Teilen zusammengesetzt, da noch weitere Elemente zur Stabilisierung eingefügt werden müssen.

Bis ein Tank in Serie geht, muss er auch allerhand Tests über sich ergehen lassen. Beispielsweise wird er mit einem Glycerin-Wasser-Gemisch befüllt, auf -40°C herabgekühlt und dann aus einer Höhe von 6 m fallen gelassen. Oder es wird das Betankungsverhalten untersucht und optimiert. Auch die Abgabe von Kohlenwasserstoffen wird mit Hilfe eine Gaschromatographen gemessen. Und die Kunststoffschichten werden im Dünnschnitt mit Hilfe eines Mikroskops kontrolliert.

Am Ende des spannenden Rundgangs gab es noch die Gelegenheit bei belegten Brötchen und Getränken sich über die Ausbildungsmöglichkeiten bei Kautex Textron zu informieren. Neben Ausbildungsplätzen bietet das Unternehmen auch ein duales Studium an. Wer erst mal reinschnuppern will, kann ein Praktikum machen oder als Werksstudent arbeiten. Bei den Schülerinnen und Schülern kommt das an: Einige Abiturienten nutzten die Chance direkt und haben sich für ein Praktikum für die Zeit nach dem Abitur beworben.

Text und Fotos: S. Kunze

   

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