Nicolaus-Cusanus-Gymnasium Bonn
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Zu Gast bei "Greenhouse - Icehouse"

Besuch des Bio-LK bei der Klimashow der Bonner Uni.Am Dienstag 20. März ist von Klimaerwärmung nicht viel zu spüren. Aber das Thema steht auf dem Programm des NCG-Bio-LK. Statt im Klassenraum zu sitzen, sind die 19 Schülerinnen und Schüler zusammen mit vielen anderen Jugendlichen in der Aula der Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn. "Greenhouse - Icehouse" heißt die Klimashow, mit der die Wissenschaftler aus dem Bereich Paläoforschung des Steinmann Instituts sowie vom Meteorologischen Institut Bonn die jungen Menschen für die anstehenden Probleme sensibilisieren wollen.

Wie warm wird es künftig und wie kalt war es früher? Welche Konsequenzen haben die Klimaveränderungen für unsere Zukunft? Das präsentierte Johannes Büchs, bekannt als Moderator der Kindersendung "neuneinhalb" im Ersten, an einem Beispiel: einer Modellstadt neben einen Eisberg. Johannes Büchs bittet eine Physikstudentin auf die Bühne. Sie schaltet eine Bühnenlampe ein, die auf den Eisberg leuchtet. Im Laufe der Show wird er immer wieder den Wasserpegel bekannt geben, der die Modellstadt bedroht.

Wie sich der Klimawandel  auf die Natur konkret auswirkt, zeigt ein eindrucksvoller Filmausschnitt über den Gletscherabbruch am Perito Moreno in Argentinien. Aber ist das alles neu oder gab es das auch schon früher? Darauf antworten Paläontologen. Sie analysieren Bohrkerne. Diese sind  wahre Klimaarchive und ermöglichen den Blick in die Vergangenheit. Wie solche Bohrkerne entnommen werden, zeigt eine Animation auf dem Bildschirm der Bühne. Bohrkerne zeigen eine Bänderung ähnlich der Jahresringe von Bäumen. Anhand dieser kann man bis zu 600.000 Jahre zurück in die Vergangenheit schauen. Aus der Zusammensetzung der Bohrkerne kann man nicht nur etwas über die Klimaphase (feucht/trocken) herauslesen, sondern findet auch Ablagerungen wie Pollen, die Rückschlüsse auf die Vegetationszusammensetzung der jeweiligen Periode ermöglichen.

Die Analyse zeigt, dass das Klima immer wieder zwischen Warm- und Kaltzeiten schwankt. Im Moment befinden wir uns in einer Warmzeit.

Aber die Forschung kann noch mehr. Anhand der Klimaanalyse versuchen Wissenschaftler auch die Wanderrouten des frühen Homo sapiens zu rekonstruieren. Aus den Daten errechnete Klimamodelle zeigen, wo es Landbrücken zur Überquerung von Gewässern gab.  So können die Wissenschaftler durch den Abgleich von Klimamodellen und Skelettfunden sowie Kulturfunden zwei große Auswanderungsphasen bestimmen, die zur Besiedlung von Eurasien durch den Homo sapiens von Afrika aus führten. Dabei lag das Tote Meer jeweils auf den Wanderrouten und ist somit ein besonders spannender Ort für Klimaforschung.

Die Bohrkerne werden am MARUM (Zentrum für Marine Umweltforschung) in Bremen gelagert. Die kurze Reise dorthin machen die Schülerinnen und Schüler mittels einer Live-Schaltung. Im größten Kühlschrank Deutschlands lagern rund 250.000 Bohrkerne auf rund 1000 qm. Jeder Bohrkern wird halbiert. Die mit einer roten Kappe gekennzeichnete Hälfte kommt ins Archiv, an der grau gekennzeichneten Hälfte wird gearbeitet.

Aber auch Meteorologen kommen bei der Klimashow zu Wort. Sie entwerfen Klimamodelle für die Zukunft bzw. machen Wettervorhersagen für die Gegenwart. Dazu überspannen sie die Erde mit einem virtuellen Gitter. Riesige Rechner berechnen aus Daten der einzelnen Gitterfelder das Wetter bzw. Klimamodelle. Die Rechner sind untereinander verbunden, so dass die Einzelergebnisse anschließend in ein Gesamtmodell überführt werden.

Am Forschungszentrum Jülich steht ein solcher "Superrechner". Hier liegt der Schwerpunkt auf dem Wasserkreislauf. Mit den Berechnungen lassen sich Vorhersagen machen, wann beispielsweise der Hochwasserpegel Köln erreicht, oder aber wann Niedrigwasser in Bonn ist. Für die Anwohner am Rhein und die Schifffahrt sind das äußerst wichtige Informationen.

Neben Wasser sind Parameter wie Ozon, Oberflächen, Nähe zur Sonne, Vulkanausbrüche, der CO2-Ausstoß und viele andere für das Klima von Bedeutung. Die Komplexität aus so vielen Daten macht es entsprechend schwer, belastbare Klimamodelle zu modulieren. Zwar werden Wettermodelle immer besser, aber bis heute kann man ein Unwetter nicht auf einen Kilometer genau vorhersagen.

Eins ist klar: Wer im Mathematikunterricht viel Spaß an Wahrscheinlichkeitsrechnung und auch noch einen Hang zur Informatik hat, wäre der richtige Kandidat für ein Meteorologie-Studium.

Wer nicht so lange warten will, kann sein Wissen auch vorab prüfen. Mit Hilfe eines QR-Codes kann jeder im Raum an mehreren Ratespielen teilnehmen. Wie groß ist ein Pollenkern einer Kiefer? Drei Viertel der Schülerinnen und Schüler stimmen für 50 Mikrometer. Richtig. Schwieriger ist die nächste Frage: Steigt der Meeresspiegel beim Schmelzen von Meereis oder sinkt er? Die meisten sind überzeugt, dass er steigt. Falsch. Denn Meereis verdrängt ein bestimmtes Volumen Wasser, in dem es schwimmt. Schmilzt es, füllt das flüssige Wasser dieses Volumen auf. Somit bleibt der Meeresspiegel gleich.

Neben so viel geistiger Nahrung gibt es am Ende noch einen riesigen Bohrkern aus Marmorkuchen, von dem sich jeder eine Scheibe mitnehmen darf. So schmeckt Wissenschaft.

Text und Foto: S. Kunze

   

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