Nicolaus-Cusanus-Gymnasium Bonn
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Nikolaus von Kues (1401 - 1464) alias Nicolaus Cusanus

Ein kleiner Streifzug durch das bewegte Leben des humanistisch geprägten Kardinals
und das originelle Denken des philosophischen Reformers 

b_180_210_16777215_00_images_Schulprogramm_Cusanus_Bildungsarbeit_Cusanus_Kopf.jpgAls Jurist von Beruf beschäftigte Cusanus sich weit über die Grenzen seines Fachgebiets hinaus mit seinen Lieblingsthemen: Gott, Mensch und Welt. Er stellte einen neuen Gelehrtentypus dar, der sich nicht in ein Kloster zurückzog oder an den Universitäten lehrte. Nein, er studierte überall und jederzeit Mathematik, Astronomie, Philosophie, Theologie und vieles mehr.

Er verfasste Streitschriften oder Bücher, in denen er z.B. die Erde als einen „edlen Stern“ bezeichnete, auf die Unendlichkeit des Universums verwies oder den Menschen als schöpferisches Wesen begriff.Die politischen Ränke und Kämpfe seiner Zeit bestimmten sein ständiges Unterwegs-Sein im nördlichen Reichsgebiet und im südlichen Italien. Im Auftrag des Papstes besuchte er sogar Konstantinopel 1437 - 1438, um diplomatische Aufgaben zu erfüllen. Sein Bischofsamt in Brixen von 1452 – 1458 war von politisch- militärischen Unruhen geprägt. 1457 folgte er dem Ruf des neuen Papstes, Pius II., nach Rom. Aus dem südlichen Italien kehrte der Fürstbischof von Brixen nie mehr ins Reichsgebiet zurück.  

Nicht ohne Resignation stellte er in seinem Spätwerk fest, dass die Kirche der damaligen Zeit in seinem Sinne nicht zu reformieren war, denn sie verfolgte für ihn wichtige, anzustrebende Ziele nicht:  z.B. die Herstellung der Einheit der Kirche und die Lösung des großen Problems der Religionskriege, nämlich endlich Frieden zu schaffen; die philosophische Orientierung an einem veränderten, weltläufigen Denken unter Neubetrachtung der klassischen Werke der beiden großen, antiken Denker Platon und Aristoteles sowie ihrer Nachfolger; die Veränderung der Volkssprachen  unter Einfluss des Lateinischen, so dass sie als wissenschaftliche Prosa eine weite Verbreitung nicht nur im Klerus sondern auch in den gebildeten Schichten des Stadtadels und Bürgertums erfahren würden. Als Nicolaus Cusanus 1464 zum wiederholten Mal in päpst-licher Mission unterwegs war, dieses Mal um einen Kreuzzug gegen die Türken vorzubereiten, starb er auf seiner Reise in Todi (Italien). Seine letzte Ruhe fand er in seiner Kardinalskirche in Rom: S. Pietro in Vincoli, sein Herz findet sich in der Kapelle des Nikolaus-Hospitals in Bernkastel- Kues. 

b_150_100_16777215_00_images_Schulprogramm_Cusanus_Bildungsarbeit_Cusanus_Auszug_1.jpg

Die kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten, Methoden und Techniken der Naturwissenschaften seiner Zeit ist ein Leben lang für Cusanus von großer Bedeutung. So verlangt er eine verstärkte quantitative Bestimmung qualitativer Analysen und Prozesse - er wollte in der Medizin und sogar in der Psychologie alles wiegen lassen - und betont, dass die Naturwissenschaften dem Fortschritt und der Entwicklung der Gesellschaft dienen sollen. Er wirft den zeitgenössischen, engagierten Naturwissenschaftlern vor, in der Physik zu diesem Zeitpunkt  immer noch an der traditionellen, dualistischen Sichtweise des Universums festzuhalten. Für Cusanus ist die Auffassung von der Trennung zwischen Himmel und Erde in zwei unterschiedliche Bereiche, in einen terrestrischen und einen kosmischen, nicht mehr tragfähig. 

Weiterhin weist er auf die fundamentale  Rolle der Mathematik für alle naturkundlichen Betrachtungen und Untersuchungen hin. Für Cusanus ist die Beschäftigung mit der Mathematik
die Basis, um die den Menschen umgebenden sinnlichen Erscheinungen und Objekte verstandesmäßig erfassen zu können. Seiner Auffassung nach ist das menschliche Erkennen der Natur und der Welt zielgerichtet und das Universum so konstruiert, dass der Mensch es begreifen kann und dieses auch soll. Dabei nutzt dieser seine sinnliche Erkenntnis, um alles das wahrzunehmen, was sinnlich erfassbar ist. Auch besitzt er das Maß an Vernunft, um das, was vernünftig ist, erkennen zu können. Und darüber hinaus ist laut Cusanus der Mensch sogar dazu befähigt, das, was jenseits der Vernunft liegt, durch Berühren und Überschreiten zu erfassen. Er vertritt demzufolge bereits die moderne Auffassung, dass die menschliche Erkenntnis als Annäherungsprozess zu verstehen ist.

b_150_100_16777215_00_images_Schulprogramm_Cusanus_Bildungsarbeit_Cusanus_Auszug_2.jpgNikolaus von Kues, ein überaus vielseitiger Geist, mathematisch-naturwissenschaftlich gebildet, steht er an der Grenzscheide zwischen Mittelalter und Neuzeit. Sein Bestreben zielte überall auf Versöhnung der Gegensätze auf höherer Ebene, wie er denn auch Gottes Wesen als Zusammenfallen der Gegensätze (à Coincidentia oppositorum) kennzeichnet. Nur durch ein über die Verstandesbegriffe hinausgehendes, wissendes Nichtwissen (à Docta ignorantia) ist dieses Zusammenfallen der Gegensätze im Unendlichen zu erfassen. Der Mensch ist ein Mikrokosmos, der in sich eine Unendlichkeit trägt, das Universum und das Göttliche widerspiegelt.